Experten erwarten Amazon Care auch in Deutschland– trotz zweifelhaftem Image

Experten erwarten Amazon Care auch in Deutschland– trotz zweifelhaftem Image

Pass away Gesundheitsplattform könnte bald nach Europa kommen. Experten sehen in Deutschland vor allem Hürden bei der Regulatorik und im Datenschutz, was deutsche Patienten abschrecken könnte.

Mit der Amazon-Apotheke ist der Tech-Riese bereits seit November 2src2src in den USA auf dem Markt
Mit der Amazon-Apotheke ist der Tech-Riese bereits seit November 2020 in den USA auf dem Markt.

image alliance/ STRF/STAR MAX/IPx.

Kommt bald auch in Deutschland der Arzt per Amazon?

Wie Company Expert berichtete, ist der Onlinehändler in den U.S.A. gerade dabei, seine digitale Gesundheitsplattform Amazon Care, über die Mitarbeiter Rezepte bestellen, virtuell mit Ärzten sprechen und Hausbesuche vereinbaren können, zu erweitern. Amazon Pharmacy ging aus der Übernahme des Unternehmens „ Pillpack” hervor, die Amazon 2018 gekauft hatte.

Wir haben uns in der deutschen Health-Tech-Szene einmal umgehört, wie schnell ein Start von Amazon Care in Europa möglich wäre und was er mit sich bringen würde.

Amazon Care könnte global „ rasend schnell” eingeführt werden

Dr. Christian Weiß ist Geschäftsführer von Heal Capital, dem Wagniskapitalfonds des Verbandes der Privaten Krankenkassen, der sich auf Investitionen im sogenannten Healthtech-Bereich spezialisiert hat. Laut Weiß ist die derzeitige Strategie typisch für Amazon: „ Amazon hat immer wieder den gleichen Ansatz gezeigt: Zuerst wird ein Geschäftsmodell intern getestet und wenn es erfolgreich läuft, auf einem ersten Testmarkt ausgerollt.” Wenn es auch dort erfolgreich läuft, folgt als nächstes „ ein rasend schneller internationaler Roll-Out.” In Bezug auf Amazon Care seien deshalb noch einige Schritte zu gehen, aber die Richtung sei „ ganz klar auch nach Europa.” Das beweisen auch vorangegangen Amazon Services wie Amazon Logistics oder der Cloud-Service AWS.

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Eine kurzzeitige Bremse für Amazon Care könnten einige Besonderheiten des deutschen Gesundheitsmarktes sein, so Weiß. Zum einen müsste sich der Tech-Gigant den regulatorischen Anforderungen wie zum Beispiel dem Datenschutz nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stellen.

Andre Heeg, als Partner und Geschäftsführer bei BCG Digital Ventures zuständig für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle für die Gesundheitsbranche, bemerkt jedoch, das sich der digitale Pattern im Gesundheitssektor durch Corona beschleunigt hat. Heeg: „ Viele Praxen sind überlastet und Patienten zögern aktuell, zum Arzt zu gehen, weil sie Angst haben, sich mit dem Corona-Virus anzustecken.”

Klagen und schlechtes Image von Amazon schrecken ab

Auf der anderen Seite sei es fraglich, ob pass away Patienten sich dafür unbedingt Amazon anvertrauen würden. „ Der Ruf großer US-Technologiefirmen hat aktuell aufgrund der Klagen der US-Behörden gegen Facebook und Google gelitten. Es sei daher fraglich, wie offen pass away Menschen in Deutschland dafür sein werden, pass away besonders sensiblen Gesundheitsdaten mit Amazon zu teilen.

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Gefragt nach dem baldigen Markteintritt von Amazon Care sagt Heeg: „ Es kommt ganz darauf an, welche Komponenten der Patientenerfahrung Amazon Care in Deutschland anbieten will.” Virtuelle Sprechstunden beim Arzt seien ja bereits möglich, „ die Dienstleistungen von Anbietern wie Kry oder Teleclinic werden von immer mehr Menschen in Deutschland genutzt.” Der Start des E-Rezepts ist hierzulande für nächstes Jahr geplant. „ Und es ist nur einer Frage der Zeit, wann Amazon seinen Apothekendienst Amazon Pharmacy auch in Deutschland ausrollen wird”, sagt der Digital-Experte.

Die großen amerikanischen Tech-Unternehmen hätten in der Vergangenheit immer wieder mit Lösungen für das Gesundheitswesen in Europa geliebäugelt, aber aufgrund der strengen regulatorischen Vorgaben schließlich aufgegeben. Heeg: „ Für Amazon wird es in Europa also deutlich schwieriger als in den USA: Der dortige Gesundheitsmarkt ist kundenfreundlicher und ermöglicht vieles, was das stark regulierte Gesundheitswesen hierzulande nicht erlaubt.”

Ständige Interaktion von Amazon als Vorteil

Binnebrücker ist Gründer des Wagniskapitalgebers Capnamic Ventures aus Köln und beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit der digitalen Szene, vermehrt auch mit Innovationen aus dem Gesundheitssektor. „ Der Markteintritt von Amazon Care ist auf jeden Fall ein Thema, mit dem man sich auseinandersetzen muss”, sagt er zu Organization Expert. Er sieht die Bekanntheit von Amazon als Vorteil für das Unternehmen, denn das sichere ihm auch das Vertrauen der Kunden.

Auch in der Versicherungsbranche macht male sich seine Gedanken zu dem Thema. Insbesondere Amazon stehe exemplarisch für Kundennähe. Das wollen male auch bei Axa ändern und biete deshalb zahlreiche digitale Zusatzservices und Ökosysteme an.

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