Republikaner-Parteitag: Familiendramen trüben die Trump-Show

Republikaner-Parteitag: Familiendramen trüben die Trump-Show

Seine dritte Ehefrau Melania wird reden. Seine Tochter Ivanka sowie deren Brüder Donald jr. und Erik aus der ersten Ehe auch. Und selbst die selten öffentlich auftretende Tochter Tiffany aus der zweiten Ehe wird ihren Vater preisen. Donald Trump selber wird sich jeden Abend an die Fernsehzuschauer wenden. Der Parteitag der US-Republikaner in dieser Woche soll ein gewaltiges Signal der Geschlossenheit ins Land senden. Er demonstriert jedoch vor allem, wie dramatisch sich die Partei Abraham Lincolns zum willenlosen Fanclub eines einzigen Mannes gewandelt hat.

Die erneute Nominierung von Trump für die Präsidentschaftskandidatur am Montag war ohnehin nur Formsache. Seine aussichtslosen Gegenkandidaten sind früh aus dem Rennen ausgeschieden. Anders als bei den Demokraten wird auch kein ehemaliger republikanischer Präsident oder Präsidentschaftskandidat auftreten. Kein Wunder: Weder Ex-Präsident George W. Bush noch der Kandidat von 2012, Mitt Romney, möchten als Staffage einer Show dienen, die laut Aussage der Organisatoren vor allem die “Make America Great Again”-Agenda feiern soll.

Zwei aktuelle Ereignisse trüben freilich die inszenierte Harmonie empfindlich. Erst wurden am Wochenende höchst abfällige Bemerkungen von Trumps älterer Schwester Maryanne über ihren Bruder bekannt. Dann kündigte Trumps wichtigste Propagandistin Kellyanne Conway überraschend ihren Rückzug aus dem Weißen Haus an.

Maryanne Trump auf einem Foto mit ihren Brüdern Donald und dem in der vergangenen Woche verstorbenen Robert.

Die beiden Fälle offenbaren tiefe Zerwürfnisse in der Familie des Präsidenten und einer seiner langjährigsten Vertrauten über Trumps Politik. “Er hat keine Prinzipien”, sagte Maryanne Trump Barry laut nun bekannt gewordenen Tonbandaufnahmen schon 2018 über ihren Bruder, den sie als Lügner bezeichnet. Conways Rückzug dürfte in Zusammenhang mit Bekundungen ihrer 15-jährigen Tochter Claudia in sozialen Netzwerken stehen. “Es gibt niemand, der Donald Trump mehr hasst als ich”, hatte der Teenager vor wenigen Tagen getwittert. Am Samstag schrieb sie: “Ich bin am Boden zerstört, dass meine Mutter wirklich beim RNC (den republikanischen Conventions, d. Red.) sprechen wird.”

Kellyanne Conway, die Trumps Wahlkampf 2016 in der Endphase geleitet hatte und seither als seine wildeste Verteidigerin in den Medien auftritt, nannte denn auch persönliche Motive für ihre Kündigung. „Dies ist vollkommen meine Entscheidung und meine Stimme“, erklärte die 53-Jährige: „Fürs Erste und für meine geliebten Kinder wird es weniger Drama und mehr Mama geben.“ Kurz zuvor hatte Conways Ehemann George eine Pause bei Twitter und der Anti-Trump-Gruppe Lincoln Project angekündigt, „um mehr Zeit für Familienangelegenheiten“ zu haben.

Die Ehe zwischen der glühenden Apologetin des Präsidenten, die seine Lügen zu “alternativen Fakten” verklärte, und dem konservativen Anwalt, einem der schärfsten Kritiker Trumps, ist seit langem eines der Lieblingsthemen der Washingtoner Gerüchteküche. Im März hatte George Conway offen die mentale Befähigung von Trump für das Amt angezweifelt und ihm eine “narzisstische Persönlichkeitsstörung” bescheinigt. Als der Präsident den 56-Jährigen daraufhin einen “totalen Versager” und “Ehemann aus der Hölle” nannte, verteidigte Kellyanne Conway diese Ausfälle: “Soll er etwa nicht auf jemand antworten, der ihm eine Geistesstörung bescheinigt hat?”

Conways Tochter spricht von Missbrauch

Bedingungslose Verehrung auf der einen, offener Hass auf der anderen Seite – seit längerem schon hatten Beobachter gerätselt, wie das zusammenpasst. Von einer möglichen Scheidung war die Rede. Doch die Verletzungen gehen offenbar über die gegenseitigen Attacken weit hinaus. Vor ein paar Wochen meldete sich erstmals die älteste Tochter Claudia bei Twitter zu Wort. Ihrer Mutter wirft sie vor, ihr Leben zerstört zu haben.

Beide Eltern, erklärte sie am Sonntag bei Tiktok, hätten sie „physisch und verbal missbraucht“. Der Teenager kündigte an, mit dem Erreichen des 16. Lebensjahrs vor Gericht die Volljährigkeit erstreiten und seinen Eltern das Sorgerecht entziehen zu wollen.

Ein menschliches Drama verbirgt sich auch hinter dem Kampf der Trump-Nichte Mary Trump gegen ihren Onkel. Die inzwischen 55-Jährige, die ein Enthüllungsbuch über ihre Familie geschrieben hat, macht Donald Trump und dessen Vater indirekt für den frühen Alkoholtod ihres Vaters Fred verantwortlich.

“Du kannst ihm nicht vertrauen”

Mit ihrer kritischen Sicht auf den Präsidenten steht sie in der Familie offenbar nicht alleine. In den Jahren 2018 und 2019 zeichnete sie heimlich insgesamt 15 Stunden Gespräche mit ihrer Tante Maryanne auf, der älteren Schwester des Präsidenten. Nun hat sie der Washington Post Transkripte und Auszüge der Aufnahmen zur Verfügung gestellt.

Laut Washington Post äußert sich die 83-jährige Maryanne, eine pensionierte Richterin, äußerst negativ über ihren Bruder: „Seine verdammten Tweets und die Lügen, mein Gott!“, empört sie sich und sagt: „Alles was er will, ist seiner Basis zu gefallen. Er hat keine Prinzipien. Keine.“ Ihrer Nichte gibt sie an einer Stelle ausdrücklich den Tipp: „Du kannst ihm nicht vertrauen.“ Besser hätten es die Demokraten vor dem Republikaner-Parteitag kaum formulieren können.

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