Mobilfunk: Netzbetreiber Vodafone startet 5G-Netz in Deutschland

Mobilfunk: Netzbetreiber Vodafone startet 5G-Netz in Deutschland

Düsseldorf Im Wettrennen um den Mobilfunk der Zukunft für Deutschland ist dem Netzbetreiber Vodafone ein wichtiger Sieg gelungen. „ Wir starten als Erste in Deutschland”, sagte Deutschlandchef Hannes Ametsreiter am Dienstag. An der Leinwand hinter ihm ist eine Deutschlandkarte zu sehen. 20 Städte sind darauf rot markiert. In ihnen soll ab Mittwoch der Echtzeitmobilfunk für Endkunden verfügbar sein. „ Wir wollen breit starten”, sagte Ametsreiter. Nicht nur in großen Städten wie Köln und Düsseldorf, sondern auch in kleinen Orten wie etwa Lohmar oder Würselen geht das schnelle Netz an den Start.

Das Unternehmen wolle schnelle Netze nicht nur für die Bewohner in großen Städten anbieten, sondern auch als Ersatzprodukt zu einem herkömmlichen festnetzgebundenen Internetanschluss zu Hause. „ Dafür haben wir Regionen ausgesucht, in denen bislang nur ein schwaches DSL-Angebot verfügbar ist”, sagte Vodafone– Technikchef Gerhard Mack. Für die Kunden hält Vodafone den neuen Router Gigacube 5G bereit. Zudem habe das Unternehmen zwei Smartphones mit 5G-Unterstützung in sein Sortiment aufgenommen: das Mate 20 X 5G des chinesischen Herstellers Huawei sowie das Samsung Galaxy S10 5G.

Für fünf Euro im Monat sei eine 5G-Option in den bisherigen Vodafone-Mobilfunkverträgen zubuchbar. Schon ab 14,99 Euro im Monat könnten Kunden pass away neue Technik testen. Wem sie nicht gefalle, der könne sie bequem nach dem ersten Monat täglich kündigen, sagte Ametsreiter. Mit der Aktion versucht Vodafone, den Konkurrenten Deutsche Telekom vorzuführen. Der hatte zwar zwei Wochen zuvor selbst den Start der ersten 5G-Tarife bekanntgegeben– der Branchenprimus in Deutschland hatte jedoch kein Information für den formellen Start der ersten 5G-Antennen für Endnutzer genannt, sondern lediglich von „ Herbst 2019″ gesprochen.

Grund dafür sei unter anderem, dass pass away nötigen Frequenzen von der Bundesnetzagentur nach dem Ende der Auktion noch nicht zugeteilt seien. Vodafone ging einen anderen Weg, um das Problem zu vermeiden. „ Wir nutzen Frequenzen, die wir vor einigen Jahren ersteigert haben”, sagte Technikchef Mack. Sobald pass away Bundesnetzagentur auch das neue Frequenzspektrum zuteile, könnte Vodafone auch dieses für sein 5G-Angebot einsetzen.

Beim Ausbau der neuen Technik werde Vodafone auch auf den chinesischen Ausrüster Huawei zurückgreifen, dem die US-Regierung Spionage vorwirft. „ Neben Huawei setzen wir auch auf Ericsson”, sagte Technikchef Mack.

5G zu sicher für Deutschland?

Über Monate hatte die US-Regierung Huawei vorgeworfen, seine Technik ermögliche ein Abhören durch chinesische Sicherheitsbehörden oder sogar eine Sabotage ausländischer Netze. Doch nach einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen hatte Trump ein Verbot der Zusammenarbeit von Huawei mit US-amerikanischen Firmen zunächst ausgesetzt. Während die USA in der Diskussion um die Sicherheit von 5G zurückrudern, formiert sich in Deutschland neuer Widerstand aus einer anderen Richtung: Polizei und Nachrichtendiensten ist 5G zu sicher.

Sie fürchten, dass die bisherigen Möglichkeiten der Überwachung etwa von Telefongesprächen von Verdächtigen mit 5G nicht mehr so einfach umsetzbar sein werden. Neue technische Standards setzen eine Verschlüsselung bei 5G ein, die einen Zugriff durch Dritte erschwert. Die Justizminister der Länder hatten daher darauf gedrängt, dass bei der neuen Mobilfunktechnik Vorkehrungen getroffen werden, dass eine Telekommunikationsüberwachung durch Sicherheitsbehörden weiter gewährleistet ist.

Während Huawei über Monate immer wieder betont hatte, 5G sei sicher, sah sich der Konzern nun mit Sorgen konfrontiert, die Technik sei aus Sicht der deutschen Polizei möglicherweise zu sicher. Der Vizechef von Huawei in Deutschland, David Wang, sagte am Dienstag, ein Sonderweg der Bundesrepublik beim Thema 5G sei ausgeschlossen: „ Es gibt einen globalen Basic für 5G. Davon können weder Ausrüster noch Netzbetreiber abweichen.” Die Vorstellungen deutscher Sicherheitsbehörden über staatliche Hintertüren seien nicht realistisch. „ Wir brauchen globale Sicherheitsregeln”, betonte Wang.

Besondere Ansätze einzelner Staaten könnten den globalen Herausforderungen nicht gerecht werden. Vodafone-Deutschlandchef Ametsreiter sagte: „ Wir sind in enger Abstimmung mit den Behörden.” Er zeigte sich zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werden könne. „ Wir werden uns an die Regeln halten, die uns auferlegt werden”, sagte Ametsreiter.

5G-Ausbau in Deutschland

Im Juli war die Versteigerung der Frequenzen für den 5G-Mobilfunk in Deutschland nach einer fast dreimonatigen Auktion zu Ende gegangen. Pass away Mobilfunkunternehmen hatten Höchstgebote mit einer Gesamtsumme von rund 6,5 Milliarden Euro abgegeben.

Seitdem liefern sich die Netzbetreiber ein Wettrennen um pass away neuesten Ankündigungen für 5G. Eigentlich galt pass away Telekom in Branchenkreisen als Favorit für einen schnellen Ausbau von 5G in Deutschland. Denn der Konzern hat derzeit mehr als 80 Prozent seiner Antennenstandorte mit Glasfaser angeschlossen– eine Voraussetzung für die Aufrüstung auf die volle Leistung der 5G-Technologie. Trotzdem gelang es Vodafone noch vor der Telekom, den Start eines 5G-Netzes für Endverbraucher bekanntzugeben.

Auf Nachfrage zum aktuellen Stand des Glasfaserausbaus von Vodafone konterte Technikchef Mack mit einer Breitseite in Richtung der Telekom: „ Wir haben nicht den Luxus eines über Jahrzehnte subventionierten Glasfaserausbaus.” Vodafone hat nach eigenen Angaben derzeit mehr als 20 Prozent seiner Antennenstandorte mit Glasfaser angeschlossen. Mack sagte jedoch: „ Da, wo wir Glas brauchen, haben wir auch Glas.” In ländlichen Regionen wolle der Konzern vorerst auch bei 5G an manchen Orten auf Richtfunk setzen.

Neben der Telekom und Vodafone wollen auch Telefónica(Marke O2) und United Internet(Marke 1 & 1) 5G in Deutschland ausbauen. Beide Firmen haben bislang aber noch keine konkreten Ausbaupläne vorgelegt. United Web steht als Neueinsteiger vor dem Aufbau eines komplett neuen Netzes.

Mehr: Vodafone baut ein erstes Netz im Wolfsburger Stadion. Der superschnelle Mobilfunkstandard könnte völlig neue Anwendungen für Fans ermöglichen.

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